Telefonie & KI

Cloud-Telefonie und Internet: Welche Leitung brauchen Sie?

Für Cloud-Telefonie braucht es keine Hochleistungsleitung, aber eine verlässliche. Hier lesen Sie, wie viel Bandbreite Gespräche tatsächlich verbrauchen und warum Stabilität wichtiger ist als Tempo.

Stand: Oktober 2026 · Redaktion STKom, Lehre

Ein Gespräch über eine Cloud-Telefonanlage braucht je nach Codec rund 30 bis 100 kbit/s in jede Richtung. Ein Büro mit zehn gleichzeitigen Gesprächen kommt also mit etwa 1 Mbit/s im Upload aus. Entscheidend sind deshalb weniger die Megabit als geringe Verzögerung, gleichmäßige Paketlaufzeiten, ein Router, der Sprache Vorrang gibt, und ein Plan für den Ausfall der Leitung.

Wie viel Bandbreite ein Gespräch wirklich braucht

Bei Internettelefonie wird die Stimme in kleine Datenpakete zerlegt. Wie groß der Datenstrom wird, bestimmt der Codec, also das Verfahren, mit dem die Sprache digitalisiert und komprimiert wird. Dazu kommt der Verwaltungsaufwand der Netzwerkprotokolle, der bei kleinen Sprachpaketen einen spürbaren Anteil ausmacht.

Als Faustwerte pro Gespräch und Richtung einschließlich dieses Aufwands:

  • G.711 (klassische Telefonqualität, unkomprimiert): rund 90 bis 100 kbit/s
  • G.722 (HD-Qualität): ähnlich, rund 90 bis 100 kbit/s
  • Opus (in vielen Apps): je nach Einstellung etwa 30 bis 60 kbit/s

Videokonferenzen sind eine andere Größenordnung. Wer neben der Telefonie viel per Video arbeitet, muss diese Last getrennt einplanen.

Der Upload ist der Engpass

Ein Telefonat ist symmetrisch: Es fließen gleich viele Daten hinaus wie herein. Viele Internetanschlüsse sind dagegen asymmetrisch. Ein DSL- oder Kabelanschluss mit 100 Mbit/s im Download hat oft nur einen Bruchteil davon im Upload.

Im Alltag wird es eng, wenn der Upload gleichzeitig für andere Dinge genutzt wird: Datensicherungen in die Cloud, das Hochladen großer Dateien, Videokonferenzen. Dann konkurrieren Sprachpakete mit Datenpaketen, und das Gespräch beginnt zu stocken. Glasfaseranschlüsse mit höherem Upload entschärfen das Problem, lösen es aber nicht allein – dafür braucht es Priorisierung im Netzwerk.

Rechenbeispiel: Büro mit 25 Mitarbeitenden

Nicht alle Mitarbeitenden telefonieren gleichzeitig. Wie viele Gespräche zur Spitzenzeit parallel laufen, zeigt die Auswertung Ihrer heutigen Anlage. Für das Beispiel nehmen wir an, dass zur Spitze 12 Gespräche gleichzeitig laufen.

  • 12 Gespräche × 100 kbit/s = 1,2 Mbit/s in jede Richtung
  • Reserve für Spitzen und Videotelefonate: großzügig verdoppeln = rund 2,5 Mbit/s
  • Dazu der normale Datenverkehr des Büros

Das Ergebnis: Für die Telefonie allein reicht fast jeder heutige Geschäftsanschluss. Kritisch wird es nur, wenn die Leitung ohnehin regelmäßig ausgelastet ist. Ein Blick auf die Auslastung des Routers zu Spitzenzeiten sagt mehr als jeder Tarifname.

Latenz, Jitter, Paketverlust: die eigentlichen Qualitätswerte

Ein Speedtest misst, wie schnell große Datenmengen fließen. Für Sprache zählen andere Werte:

  • Latenz: die Laufzeit eines Pakets. Nach der ITU-Empfehlung G.114 gilt eine Verzögerung von bis zu 150 Millisekunden in eine Richtung als unproblematisch für Gespräche. Darüber reden sich Gesprächspartner zunehmend ins Wort.
  • Jitter: die Schwankung dieser Laufzeit. Telefone gleichen sie mit einem Puffer aus; ist die Schwankung zu groß, klingt die Sprache abgehackt. Als gängiger Richtwert gelten Werte unter 30 Millisekunden.
  • Paketverlust: Pakete, die nie ankommen. Schon wenige Prozent machen sich als Aussetzer bemerkbar; ideal ist ein Wert nahe null.

Diese Werte schwanken über den Tag. Eine einmalige Messung am Morgen sagt wenig über die Lage um 11 Uhr, wenn alle gleichzeitig arbeiten. Was bei Störungen hilft, beschreibt der Ratgeber VoIP-Sprachqualität: Probleme lösen.

Router, Firewall und Netzwerk im Büro

Die beste Leitung hilft nichts, wenn das Netz im Haus nicht mitspielt. Diese Punkte sollten vor einer Umstellung geprüft werden:

  • Priorisierung (QoS): Router und Switches sollten Sprachpakete bevorzugt behandeln, damit eine große Datei sie nicht ausbremst.
  • SIP-ALG: Diese Router-Funktion soll Telefonie erleichtern, verursacht aber in der Praxis häufig Probleme. Viele Anbieter von Cloud-Telefonie empfehlen, sie abzuschalten.
  • Firewall-Regeln: Die Firewall muss die Verbindungen zum Telefonie-Anbieter zulassen, ohne das Netz unnötig zu öffnen.
  • Kabel statt WLAN: Tischtelefone hängen am Netzwerkkabel, idealerweise mit Stromversorgung über das Kabel (PoE). Wer per Softphone telefoniert, sollte möglichst ebenfalls kabelgebunden arbeiten.

Was passiert, wenn das Internet ausfällt

Ohne Internet keine Cloud-Telefonie im Büro – die Anlage selbst läuft im Rechenzentrum aber weiter. Damit Anrufer nicht ins Leere laufen, gehört ein Ausfallplan dazu:

  • Automatische Umleitung: Erreicht die Anlage die Telefone im Büro nicht mehr, leitet sie Anrufe auf hinterlegte Ziele um, etwa Mobiltelefone.
  • Smartphone-App: Mitarbeitende telefonieren über das Mobilfunknetz weiter mit der Firmennummer.
  • Zweite Leitung: Für Betriebe, die stark vom Telefon abhängen, kann ein Mobilfunk-Router als Ersatzleitung sinnvoll sein, der bei Ausfall automatisch übernimmt.

Wie stark Sie absichern, hängt davon ab, was eine Stunde ohne Telefon für Ihr Geschäft bedeutet.

Homeoffice, Filialen und mobiles Arbeiten

Cloud-Telefonie endet nicht an der Bürotür. Mitarbeitende im Homeoffice nutzen ihren privaten Anschluss, Filialen eine eigene Leitung, der Außendienst das Mobilfunknetz. Für jede dieser Situationen gelten dieselben Grundsätze wie im Büro – nur hat das Unternehmen weniger Einfluss auf die Technik.

Im Homeoffice reicht die Bandbreite fast immer; Probleme entstehen eher durch WLAN, das quer durch die Wohnung funkt, oder durch Familienmitglieder, die gleichzeitig streamen. In Filialen lohnt sich ein kurzer Check von Router und Upload, bevor dort umgestellt wird. Unterwegs ist das Mobilfunknetz meist ausreichend, bei schwachem Empfang wechselt die App gegebenenfalls auf klassische Mobilfunkverbindung. Weitere Tipps zum Arbeitsplatz zu Hause stehen im Ratgeber Telefonie im Homeoffice.

Orientierung

Bandbreite nach gleichzeitigen Gesprächen

Gerechnet mit rund 100 kbit/s pro Gespräch und Richtung (G.711/G.722) und doppelter Reserve.

Gleichzeitige GesprächeBedarf rechnerischmit Reserve, je Richtung
5ca. 0,5 Mbit/sca. 1 Mbit/s
10ca. 1 Mbit/sca. 2 Mbit/s
20ca. 2 Mbit/sca. 4 Mbit/s
50ca. 5 Mbit/sca. 10 Mbit/s

Richtwerte nur für die Telefonie. Videokonferenzen, Cloud-Backups und übriger Datenverkehr kommen hinzu.

STKom

So prüft STKom Ihre Leitung

Vor jeder Umstellung auf unsere Cloud-Telefonie nehmen wir Internetanschluss, Router und Netzwerk auf und sagen Ihnen, ob Anpassungen nötig sind – etwa bei Priorisierung, Firewall-Regeln oder WLAN. Die Einrichtung von Netzwerk und Firewall übernehmen wir auf Wunsch mit, siehe Netzwerktechnik. Für den Ausfall legen wir mit Ihnen Umleitungsziele fest, damit Ihre Nummer erreichbar bleibt.

Häufige Fragen

Fragen zur Internetleitung für Cloud-Telefonie

Reicht ein normaler DSL-Anschluss für Cloud-Telefonie?

Für kleine Büros meist ja. Ein Gespräch braucht unter 100 kbit/s je Richtung, auch einfache DSL-Anschlüsse schaffen mehrere parallele Gespräche. Kritisch ist der Upload, wenn er gleichzeitig für Datensicherungen oder Videokonferenzen genutzt wird. Dann sorgt eine Priorisierung im Router dafür, dass Telefonate Vorrang haben.

Wie viele gleichzeitige Gespräche schafft meine Leitung?

Teilen Sie den verfügbaren Upload grob durch 100 kbit/s, und rechnen Sie anschließend großzügig Reserve für den übrigen Datenverkehr ab. Bei 10 Mbit/s Upload wären das rechnerisch rund 100 Gespräche – praktisch weniger, weil das Büro die Leitung auch anders nutzt. Für die meisten Betriebe ist die Bandbreite nicht der Engpass.

Ist Glasfaser für Cloud-Telefonie notwendig?

Nein, notwendig ist sie nicht. Glasfaser bietet in der Regel einen höheren Upload und oft geringere Laufzeiten, was Telefonie und Videokonferenzen zugutekommt. Ein stabiler DSL- oder Kabelanschluss mit sauber eingestelltem Router funktioniert für Telefonie ebenfalls gut.

Brauche ich eine zweite Internetleitung?

Das hängt davon ab, wie teuer ein Ausfall für Sie ist. Viele Betriebe kommen mit automatischer Umleitung auf Mobiltelefone und der Smartphone-App aus. Wer stark vom Telefon lebt, etwa eine Auftragsannahme, sichert sich zusätzlich mit einem Mobilfunk-Router ab, der bei Ausfall übernimmt.

Funktioniert Cloud-Telefonie auch über Mobilfunk?

Ja, über die Smartphone-App mit der Firmennummer. Bei gutem LTE- oder 5G-Empfang ist die Qualität in der Regel gut. In Gebieten mit schwachem Netz oder beim Wechsel zwischen Funkzellen kann es zu Aussetzern kommen. Für Büros ohne festen Anschluss ist ein Mobilfunk-Router mit Außenantenne eine Option.

Kontakt

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  • E-Mailinfo@stkom.de
  • AdresseBerliner Straße 60, 38165 Lehre

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