Vorlagen & Praxis

ISDN-Abschaltung: Was Unternehmen jetzt tun sollten

ISDN ist in Deutschland weitgehend Geschichte. Viele Betriebe telefonieren trotzdem noch mit einer Anlage, die für ISDN gebaut wurde – meist über einen Adapter, von dem niemand mehr genau weiß, wie er funktioniert. Zeit für einen Plan.

Stand: Oktober 2026 · Redaktion STKom, Lehre

ISDN ist in Deutschland weitgehend abgeschaltet; Telefonie läuft über IP-Anschlüsse. Eine Telefonanlage mit ISDN-Schnittstellen funktioniert daran nur noch mit einem Adapter (Media-Gateway) oder gar nicht. Sie haben drei Optionen: die alte Anlage per Adapter weiterbetreiben, eine IP-fähige Anlage mit SIP-Trunk einsetzen oder in eine Cloud-Telefonanlage wechseln. Prüfen Sie dabei auch Fax, Türsprechstellen, Alarmanlagen und andere Geräte, die am alten Anschluss hingen.

Was die ISDN-Abschaltung bedeutet

ISDN war jahrzehntelang der Standard für Geschäftsanschlüsse: digitale Leitungen mit mehreren Sprachkanälen und eigenen Schnittstellen an der Telefonanlage. Die Netzbetreiber haben ihre Netze auf IP-Technik umgestellt, Telefonie läuft heute als VoIP über den Internetanschluss. Neue ISDN-Anschlüsse gibt es praktisch nicht mehr, bestehende wurden weitgehend migriert.

Für Unternehmen heißt das: Der Anschluss in der Wand spricht nicht mehr die Sprache, für die viele ältere Telefonanlagen gebaut wurden. Wo noch alles funktioniert, steckt meist ein Übersetzer dazwischen.

Woran Sie erkennen, ob Sie betroffen sind

Viele Betriebe wissen nicht genau, wie ihre Telefonie heute angeschlossen ist. Ein paar Hinweise:

  • Die Telefonanlage ist zehn Jahre alt oder älter und hat Anschlüsse mit der Bezeichnung S0 oder S2M.
  • Zwischen Router und Telefonanlage hängt ein zusätzliches Kästchen – ein Adapter oder Media-Gateway.
  • Bei Störungen weiß niemand, wer zuständig ist: der Netzbetreiber, der Anlagenlieferant oder der Adapter-Hersteller.
  • Für die Anlage gibt es keine Updates oder Ersatzteile mehr.

Trifft einer dieser Punkte zu, lohnt ein genauer Blick. Akut ist das nicht immer – aber die Abhängigkeit von alter Technik wächst mit jedem Jahr.

Option 1: Alte Anlage mit Adapter weiterbetreiben

Ein Media-Gateway oder ein entsprechend ausgestatteter Router setzt den IP-Anschluss auf ISDN-Schnittstellen um. Die alte Anlage merkt davon im Idealfall nichts.

Vorteil: geringe Kosten, keine Umstellung für das Team. Nachteile: eine zusätzliche Fehlerquelle; Funktionen, die ISDN-spezifisch waren, laufen nicht immer sauber; Fax und Sondergeräte machen häufiger Probleme. Vor allem aber bleibt die Anlage alt – ohne Updates, ohne Homeoffice-Funktionen, mit wachsendem Ausfallrisiko.

Diese Option eignet sich als Übergang, wenn eine Ablösung bereits geplant ist.

Option 2: IP-fähige Anlage mit SIP-Trunk

Eine moderne Telefonanlage vor Ort spricht direkt IP und verbindet sich über einen SIP-Trunk mit dem Netz. Manche ältere Anlagen lassen sich durch eine Erweiterungskarte oder ein Software-Update SIP-fähig machen; bei anderen ist ein Austausch nötig.

Vorteil: Technik bleibt im Haus, vorhandene Systemtelefone lassen sich teilweise weiter nutzen. Nachteil: Investition, Wartung und Updates liegen weiterhin bei Ihnen. Mehr zum Anschlussmodell unter SIP-Trunk.

Option 3: Wechsel in die Cloud-Telefonanlage

Bei einer Cloud-Telefonanlage entfällt die Anlage im Haus ganz. Telefone verbinden sich über das Netzwerk mit der Anlage im Rechenzentrum, Smartphone und Homeoffice sind eingebunden. Die bisherigen Rufnummern werden mitgenommen.

Vorteil: keine Technik mehr, die altert; neue Funktionen kommen per Update; flexibel bei Wachstum. Nachteil: Sie sind auf einen stabilen Internetanschluss angewiesen, und einige Altgeräte brauchen eine Lösung (siehe unten).

Welche Variante langfristig günstiger ist, zeigt der Ratgeber Telefonanlage mieten oder kaufen.

Die vergessenen Geräte: Fax, Tür, Alarm, Aufzug

Bei jeder Umstellung tauchen Geräte auf, an die niemand gedacht hat. Erstellen Sie vorab eine Liste aller Geräte, die an der Telefonanlage oder am alten Anschluss hängen:

  • Faxgeräte: Fax über IP ist störanfälliger als früher über ISDN. Häufig ist Fax-to-Mail die bessere Lösung.
  • Türsprechstellen: Ältere Modelle hängen an analogen oder ISDN-Ports der Anlage. Sie brauchen einen analogen Telefonadapter oder eine IP-Türsprechstelle.
  • Alarmanlagen und Brandmelder: Viele Übertragungsgeräte waren für ISDN oder analog gebaut. Klären Sie mit dem Errichter, ob eine IP-Übertragung nötig ist.
  • Aufzugsnotruf: Der Notruf muss zuverlässig funktionieren. Stimmen Sie die Umstellung mit dem Aufzugsbetreuer ab.
  • Kartenterminals, Frankiermaschinen, Fernwartungsmodems: Viele arbeiten längst über das Netzwerk, ältere Geräte nicht.

Details zu diesen Fällen im Ratgeber Türsprechstelle, Fax und Analoggeräte in der Cloud.

Fahrplan für den Umstieg

  1. Bestand aufnehmen: Anlage, Anschluss, Rufnummern, alle angeschlossenen Geräte.
  2. Verträge prüfen: Laufzeiten von Anschluss, Anlagenmiete und Wartung.
  3. Option wählen: Übergang mit Adapter, neue Anlage oder Cloud.
  4. Sondergeräte klären: mit den jeweiligen Dienstleistern.
  5. Umstellung planen: Termin, Portierung der Rufnummern, Schulung.

Eine ausführliche Liste für den Wechsel bietet die Checkliste zur Umstellung der Telefonanlage.

Drei verbreitete Missverständnisse

  • „Unser Telefon geht doch, also betrifft uns das nicht.“ Wenn es funktioniert, übersetzt meist bereits ein Adapter. Das ist kein Fehler, aber eine Übergangslösung, die man kennen sollte.
  • „Wir brauchen nur einen neuen Router.“ Für den Anschluss vielleicht. Die Telefonanlage, die Geräte dahinter und deren Wartung bleiben trotzdem alt.
  • „Beim Wechsel verlieren wir unsere Nummern.“ In aller Regel nicht. Rufnummern und ganze Durchwahlblöcke lassen sich mitnehmen, wenn die Portierung richtig beauftragt wird.
Überblick

Drei Wege nach ISDN

Adapter / Media-GatewayIP-Anlage mit SIP-TrunkCloud-Telefonanlage
Aufwand jetztgeringmittel bis hochmittel
Technik im Hausalte Anlage plus Adapterneue oder umgerüstete Anlagenur Endgeräte
Updatesmeist keine mehrper Wartungdurch den Anbieter
Homeoffice und Handykaummit Zusatzaufwandeingebaut
Geeignet alsÜberganglangfristige Lösung vor Ortlangfristige Lösung ohne Anlage
STKom

So unterstützt STKom nach der ISDN-Abschaltung

Wir nehmen Ihre vorhandene Anlage und alle angeschlossenen Geräte auf, sagen ehrlich, ob ein Adapter als Übergang reicht, und planen bei Bedarf den Umstieg in unsere Cloud-Telefonie. Ihre Rufnummern nehmen wir per Rufnummernportierung mit; am Umschalttag sind wir vor Ort. Für Sondergeräte wie Türsprechstellen oder Alarmübertragung stimmen wir uns mit den jeweiligen Errichtern ab, statt Lösungen zuzusagen, die wir nicht verantworten.

Häufige Fragen

Fragen zur ISDN-Abschaltung

Funktioniert meine ISDN-Telefonanlage noch?

Möglicherweise ja – dann hängt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Adapter, der den IP-Anschluss in ISDN übersetzt. Das kann noch lange laufen, ist aber eine zusätzliche Fehlerquelle. Ohne Updates und Ersatzteile steigt das Ausfallrisiko mit dem Alter der Anlage.

Muss ich meine Telefonanlage jetzt sofort ersetzen?

Nicht zwingend. Wenn alles stabil läuft, können Sie den Austausch planen statt überstürzen. Sinnvoll ist eine Bestandsaufnahme jetzt und ein Wechsel, bevor ein Defekt Sie dazu zwingt – etwa zum Ende eines Wartungs- oder Mietvertrags.

Behalte ich meine Rufnummern beim Wechsel?

In aller Regel ja. Rufnummern lassen sich zu einem neuen Anbieter portieren, auch ganze Rufnummernblöcke mit Durchwahlen. Wichtig ist, den alten Anschluss nicht vorher selbst zu kündigen, sondern die Kündigung über die Portierung laufen zu lassen.

Was passiert mit meinem Faxgerät?

Fax über IP-Anschlüsse ist störanfälliger als früher. Viele Betriebe steigen deshalb auf Fax-to-Mail um: Eingehende Faxe kommen als PDF per E-Mail, die Faxnummer bleibt erhalten. Wer ein Gerät behalten möchte, braucht einen analogen Port und sollte die Übertragung testen.

Was kostet der Umstieg von ISDN?

Das hängt von der gewählten Option ab. Ein Adapter ist die günstigste Übergangslösung, eine neue Anlage vor Ort die größte Einmalinvestition, eine Cloud-Anlage verursacht vor allem laufende Kosten pro Nutzer. Marktwerte und eine Fünf-Jahres-Rechnung finden Sie im Ratgeber zu den Kosten einer Telefonanlage.

Kontakt

Erzählen Sie uns, wo es hakt.

Ein paar Sätze genügen. Wir melden uns zu unseren Geschäftszeiten – mit einer ehrlichen Einschätzung, nicht mit einem Verkaufsgespräch.

  • Telefon, Mo–Do 8:30–17:00 Uhr, Fr 8:30–15:30 Uhr05308 935030
  • E-Mailinfo@stkom.de
  • AdresseBerliner Straße 60, 38165 Lehre

AnrufenAnfrage senden